Emergencias im Hospital Eugenio Espejo
In der Notaufnahme geht’s auch ordentlich rund, im Prinzip ist es wie in Chicago im Emergency Room, alles passiert hier so Schlag auf Schlag dass man sich des öfteren wirklich wie im Film vorkommt. Hier kann man am Studentenunterricht am Krankenbett teilnehmen mit einem seehr alten seeehr weisen Doctor, viele viele ecuadorianische PJler kennenlernen, über die neue Beziehung der ausländischen PJlerin mit einem Quiteno informiert werden, Patienten aufnehmen, Angehörige beruhigen, Schussverletzungen behandeln, üble Geschwüre betrachten, große Röntgenaufnahmen mit massiven Verletzungen gegen das Licht halten, Verletzungen nach Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel Quitos verbinden, Angehörige zum Medikamentenkauf schicken, Wunden nähen, Fernsehschauen im zentralen Stützpunkt mitten in der Notaufnahme, der auch den Patienten das Zuschauen erlaubt, Patienten mit Appedizitis oder den hier anscheinend häufigen Sub- und Epiduralblutungen in den Not-OP schieben-- und das alles zur gleichen Zeit!
Kein Wunder dass die Zeit schnell vergeht, vor allem wenn ich mal ab und zu nachts arbeite. Das gute an meinem PJ hier ist, dass ich wirklich seeehr frei bin, was meine Arbeitszeiten angeht. Deshalb bin ich immer nur den halben Tag da und lerne und sehe in der Zeit, was mich interessiert ohne blöd in der Gegend rumzustehen.
Der Unterricht, in den ich hier freiwillig geh(!), ist auch immer recht gut, also theoretisch hätten es die ecuadorianischen Ärzte durchaus drauf. Praktisch fehlt es an allem, Medikamente, schnelle Diagnostik (da wartet ein Polytrauma- Patient schon mal 2 Stunden auf sein CT…Und bekommt auch keine Sedierung, was bedeutet, dass er wie ein Irrer an seiner Halskrause zerren kann und fast von der Liege fällt!!) und – ja es fehlt sogar an Handschuhen! Ich wurde tatsächlich schon mal von einer Krankenschwester zurechtgewiesen, warum ich mir denn bitte schon wieder neue Handschuhe hole, dabei war der Patient ein 15jähriger wütender Junge im Durchgang der ohne Führerschein und Helm, dafür aber mit Alkohol Moped gefahren war und entsprechend aussah und wild um sich schlug.
Ausserdem ist das Krankenhaus hier der reinste Flirt hot spot! Hier wird jeder und alles angetatscht, sofern wer nicht ganz abgeneigt ist. Hab den grossen Ben zur Abschreckung schon mal mitgebracht ;) Vor Deutschen haben Ecuadorianer (laut Einzelmeinung von einem juengeren Arzt) sowieso etwas Respekt, schliesslich gabs da mal boese Nazis!
Insgesamt ists immer sehr abwechslungsreich fuer mich im Krankenhaus mit spektakulaeren Roentgenbildern (Riesenherz bei der hier endemischen Chagas-Krankheit, Pneus ohne Ende, und heute z.B. eine Zwerchfellhernie, bei der sich Bauchorgane soweit vorschuben, dass die linke Lunge und das Herz total verdraengt waren.. etc.), mit lustigen Pausen mit den anderen Pjlern auf der Dachterasse bei tollem Blick ueber die ganze Stadt. Und weil hier alle so langsam arbeiten, ist es wie bei einer Fernsehserie zuzuschauen: man kann jederzeit wieder einsteigen und kommt noch immer gut mit hihih ;))