Unsere kleine Reise zu den rosa Delfinen
Nach den coolen Tagen in Banos, wo wir uns endlich mal wie Touristen gefühlt haben und neben Vulkanwanderung auch an Radlausflug entlang der Wasserfälle unternommen haben, sind wir am nächsten Tag nach Misahuallí einem Dorf mit Affen, unfreundlichen geldgierigen Menschen und Sekundärurwald (also zivilisierter Urwald) gefahren. Dort sind wir rumgewandert und haben schon einiges an Getier und Gepflanze gesehen und a bissl im hoteleigenen Pool geplanscht (der zugegebenermaßen schon ganz cool war, der Besitzer hat sogar die Hotelbar für uns aufgemacht aber zu dem Zeitpunkt waren wir längst pleite;). In Misahuallí sagen sich wirklich Fuchs und Hase gute Nacht. Um halb neun werden die Bürgersteige hochgeklappt, nur die Golden Gate Bridge im Miniaturformat leuchtet noch in den kitschigsten Regenbogenfarben.
Obwohl alles sehr langweilig an diesem Ort war, hielten die Bewohner es anscheinende für angebracht irre Preise zu verlangen und sich auf keine Rabattdiskussionen einzulassen obwohl wir vier die einzigen Touris weit und breit waren.
Dann aber entdeckten wir diesen Sekundärurwald, der uns schon sehr beeindruckte, weil wir allerhand Früchte und Getier entdeckten.

Schmetterschling



Und da Jermaine der Legende nach Indianervorfahren hat, hat er auch einiges aufgestöbert.

Schaumirindieaugen

Aber der Sekundärurwald war uns noch zu wenig, also haben wir einen 5-Tages-Trip in den tiefsten Dschungel, sprich Primärurwald, gebucht.

Also erst mal eine stundenlange Busfahrt nach Lago Agrio (50000 Einwohnerstadt am ENDE DER WELT, das ist schon dadurch belegt, dass es die Hauptstadt der Region ist) und vom Ende der Welt dann noch 3 Std mitm Bus und 3 Std mit dem motorisierten Kanu (ca. 40km/h – also die nächste Straße über 100km entfernt) zu einer wunderschönen Lodge. Dort wars wie im Paradies mit Hängematten und guter Verpflegung und kleinen Hütten zu zweit.

Süss

Nachts hat man sich bei Kerzenschein die Zähne geputzt und die erste Nacht war schon komisch mit all den Dschungelgeräuschen und dem Geraschel im Gebüsch.

luna

Snake

Am ersten Abend stand gleich eine Nachtwanderung in den Dschungel an (DANKE für das tolle Geschenk der Stirnlampe, die wir schon oft gebraucht haben!). Der Amazonas beherbergt die größte Tierartenvielfalt auf engem Raum, was wir in Ansätzen schon zu spüren bekamen.

Scorp

Wir hatten den Luxus die ersten zwei Tage zu viert als Gruppe zu sein,

die schrecklichen 4

(was toll war, denn z. T. sind die Gruppen doppelt so groß) und während die ersten beiden gemeinsam mit dem Guide Andrés gerade einen Skorpion (not poisonous!) entdeckten, erschraken die letzten zwei über eine Schlange die sich den Baum raufwand und noch ein paar Meter weiter gabs Riesenspinnen, Termiten, Stabheuschrecken, Blattschneideameisen, Frösche, die sich als vertrocknetes Laub tarnten, und am Ende der Tour auch noch Fledermäuse über unseren Köpfen. Hört sich schlimm an, wars auch ;)
Der Amazonas Trip stellte sich als anstrengender als gedacht heraus, weil wir ein paarmal um 6 aufstehen mussten um Papageien und Vögel vom Boot aus zu beobachten! Danach gabs erst Frühstück!! Und leider war unser Andrés wirklich sehr unecuadorianisch, und war immer pünktlich…
Nach dem Frühstück trauten wir uns fast nicht von unseren Tellern hochschauen denn unsere Befürchtungen wurden wahr, unser Guide hatte schon wieder Gummistiefel an!!!



Es ging also wieder mit der Machete durch das Dickicht und durch unermüdliches Erklären machte er uns zu kleinen Experten was das imitieren von Tierrufen angeht (der Brüllaffe, den man morgens hörte, wurde unser Lieblingstier)
Vor allem Jermaine und Julia wurden vom Urwald gezeichnet, Julia bekam neben den Moskitostichen und der Sandflie-Plage, die alle betraf, noch zwei Bienenstiche von großen schwarzen Wespen ab.
Heimtückisch hatte die Wespe Julia in der Hängematte erwischt, sie ist gleich noch mit dem halben Tier im Arm zum Eingeborenen und hatte sowas wie eine professionelle Hilfe erwartet, aber da er nur mit dreckigen Händen an der Einstichstelle rumpatschte, endschied ich mich zur Selbsttherapie. Die Guide beruhigten mich dass alles ganz harmlos sei und da nichts passiert, obwohl ihr der Arm erstmal gscheid wehtat. Als sie noch einer Stunde plötzlich tränenende Augen hatte, meinte Andrés dann nur gut gelaunt, hm, it´s ok, probably you´ll get fever at night, but it´s ok. Tomorow fine. AAAhhhh….
Fieber hatte sie dann doch keins, und ihre drei (Ben, Jessie und Jermaine) haben sich ganz lieb um sie gekümmert.
Am nächsten Tag war dann gleich der nächste dran: Piranha-Fischen stand auf dem Tagesplan. Jermaine hat sogar einen gefangen, der Slowene vorne im Boot leider auch eine andere Sorte Fisch, er landete in Jermaines Schulter, und bohrte sich mit seinen Stacheln in die Haut. Die gute Nachricht („not poisonous!“) schmälerte nicht die schlechte (“maybe the spine is still inside“) und ließ Jessie a bissl übel werden.
Irgendwie haben wir das dann aber auch gemanagt, Stachel war doch nicht drin und Desinfektionsmittel etc. hatten wir ja alles dabei und Jermaine ist auch ohne Fieber durchs Dschungelabenteuer gekommen;)
Piranha-Fischen haben wir trotzdem nicht mehr versucht;)
Stattdessen erwartete uns unser Highlight am vierten Tag: die rosa Delfine, die es nur im Amazonas gibt!
Ein Auszug an Tieren die wir gesehen haben: Tucane, Aras (rot, gelb, grün), prähistorische Vögel (so Art Rebhühner), Fledermäuse (fruit eating bat), Kaimane, die wir mit Hühnchen gefüttert haben, sich sonnende Schildkrötenfamilien, Spinnen aller Art und Größe, Spinnen, Spinnen, Spinnen, Heuschrecken, Frösche, Schlangen (groß, klein, giftig, ungiftig, zu Wasser und zu Land, die große war ca. 2-3 Meter), ein seltener Skorpion, verschiedene Affen wie Pocket monkey, Weißbartaffen, Wellensittiche, Schmetterlinge in vielen Farben und in großen Schwärmen, (teilweise waren die Schmetterlinge fast durchsichtig) Insekten aller Farben und Formen (z.B. 20 cm-Stabheuschrecke), eine Art Riesenhamster (Paca) und natürlich das Highlight: rosarote Amazonasdelphine, die sich zu dritt am vorletzten Tag endlich zeigten! Dazwischen immer chillen in den Hängematten und bekocht werden (sehr lecker!).

Julias neuer bester Freund

Das Wetter war durchweg super, tropisch heiß halt, aber entgegen unserer Meinung regnet es da mitnichten jeden Tag. Nur am Rückweg haben wir dann kennengelernt, warum der Regenwald REGENwald heißt. 3 Stunden im Kanu bei einem Regen, wie man ihn in Deutschland einmal im Jahr erlebt, hat uns trotz Regen-Ponchos und verschiedenen Trockenbleibstrategien völligst durchnässt. Krass! Dann wieder 3 Std Bus bis Lago Agrio und danach 5 Std bis zu heißen Thermalquellen, die wir angesichts des Wetters als völlig essentiell neu einplanen mussten. Das haben wir dann doch nochmal gebraucht. Schon ein interessantes Erlebnis innerhalb weniger Stunden von ca. 200m und 30 Grad auf 3300m und 10 Grad aufzusteigen (oder ist das eher ein Abstieg?) Dort sind wir dann noch einen Nacht geblieben, haben das Superresort gescheid runtergehandelt (ging wahrscheinlich weil wir so wild aussahen;) und uns in die drei heißen Becken geflätzt. Ein toller Urlaub im Urlaub!

Die Perfektion